Die erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands haben nicht nur Firmen gegründet. Vielmehr haben sie ganze Branchen geprägt, vom Elektromotor bis zum Discounter. Viele ihrer Namen kennt heute jedes Kind, denn sie stehen auf Autos, Sportschuhen und Supermärkten.
Allerdings verlief kein Weg geradlinig. Manche Gründer scheiterten zunächst, andere stritten mit der eigenen Familie. Einige verstrickten sich zudem in die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte. Dieser Beitrag stellt neun Persönlichkeiten vor und zeigt, was Unternehmer heute von ihnen lernen können.
Inhalt
- Werner von Siemens: Vom Telegrafen zum Weltkonzern
- Carl Benz und Gottlieb Daimler: Die Erfinder des Automobils
- Robert Bosch: Technik, Qualität und soziale Verantwortung
- Ferdinand Porsche: Genialer Konstrukteur mit dunklen Kapiteln
- Adi Dassler: Wie ein Bruderstreit zwei Weltmarken schuf
- Else Kröner: Aus einer Apotheke wird Fresenius
- Dieter Schwarz: Der verschwiegene Händler hinter Lidl und Kaufland
- Götz Werner: Drogeriemarkt mit Haltung
- Was Unternehmer heute von ihnen lernen können
1. Werner von Siemens: Vom Telegrafen zum Weltkonzern
Werner von Siemens gründete 1847 in Berlin gemeinsam mit dem Mechaniker Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt Siemens & Halske. Zunächst baute die kleine Werkstatt Zeigertelegrafen. Danach folgten lange Telegrafenlinien, etwa durch Russland und später von London bis nach Indien.
Sein wichtigster technischer Beitrag folgte 1866. Damals beschrieb Siemens das dynamoelektrische Prinzip. Dadurch ließ sich Strom erstmals wirtschaftlich in großen Mengen erzeugen. Außerdem verband er Forschung und Produktion konsequent. Deshalb gilt er bis heute als Vorbild für technikgetriebene Unternehmer. Die Unternehmensgeschichte von Siemens zeigt, wie aus einer Hinterhofwerkstatt ein globaler Konzern wurde.
2. Carl Benz und Gottlieb Daimler: Die Erfinder des Automobils

Carl Benz meldete am 29. Januar 1886 seinen Motorwagen zum Patent an. Diese Patentschrift gilt heute als Geburtsurkunde des Automobils. Allerdings kaufte zunächst kaum jemand das Fahrzeug. Erst seine Frau Bertha Benz machte es bekannt. Im August 1888 fuhr sie mit ihren Söhnen rund 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Damit bewies sie, dass der Motorwagen alltagstauglich war.
Fast zeitgleich arbeitete Gottlieb Daimler in Cannstatt mit Wilhelm Maybach an schnell laufenden Benzinmotoren. Im Jahr 1890 gründete er die Daimler-Motoren-Gesellschaft. Benz und Daimler lernten sich vermutlich nie persönlich kennen. Trotzdem fusionierten ihre Firmen 1926 zur Daimler-Benz AG. Folglich verdankt die heutige Mercedes-Benz Group ihren Ursprung zwei Rivalen.
3. Robert Bosch: Technik, Qualität und soziale Verantwortung
Robert Bosch eröffnete 1886 in Stuttgart eine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. Den Durchbruch brachte die Magnetzündung für Motoren. Ohne sie hätten Automobile kaum zuverlässig fahren können. Bald lieferte Bosch deshalb in viele Länder.
Zugleich galt Bosch als sozial fortschrittlicher Arbeitgeber. Bereits 1906 führte er den Achtstundentag ein. Außerdem regelte er seine Nachfolge früh und durchdacht. Heute hält die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung den weitaus größten Teil der Kapitalanteile. Die unternehmerische Führung liegt hingegen bei einer eigenen Treuhandgesellschaft. Dieses Modell sichert die Unabhängigkeit des Konzerns seit Jahrzehnten. Mehr dazu bietet der Wikipedia-Artikel über Robert Bosch.
4. Ferdinand Porsche: Genialer Konstrukteur mit dunklen Kapiteln
Ferdinand Porsche entwickelte schon um 1900 den Lohner-Porsche, ein Fahrzeug mit Elektromotoren in den Radnaben. Später konstruierte er für Austro-Daimler und Daimler-Benz. Im Jahr 1931 gründete er in Stuttgart sein eigenes Konstruktionsbüro.
Bekannt wurde Porsche vor allem durch den Volkswagen, den späteren Käfer. Allerdings arbeitete er eng mit dem NS-Regime zusammen. Im Volkswagenwerk mussten während des Krieges Tausende Zwangsarbeiter arbeiten. Diese Seite der Geschichte gehört deshalb zu seiner Biografie dazu. Nach dem Krieg baute sein Sohn Ferry Porsche das Unternehmen neu auf. Im Jahr 1948 entstand der erste Sportwagen mit dem Namen Porsche, der 356.
5. Adi Dassler: Wie ein Bruderstreit zwei Weltmarken schuf
Adolf „Adi“ Dassler fertigte ab den 1920er-Jahren mit seinem Bruder Rudolf in Herzogenaurach Sportschuhe. Bei den Olympischen Spielen 1936 lief Jesse Owens in Dassler-Schuhen zu vier Goldmedaillen. Dadurch wurde die kleine Firma international bekannt.
Nach dem Krieg zerstritten sich die Brüder jedoch tief. Im Jahr 1948 trennten sie das Unternehmen. Adi gründete daraufhin Adidas, Rudolf die Firma Puma. Beide Marken sitzen bis heute in derselben Kleinstadt. Beim WM-Finale 1954 trug die deutsche Mannschaft außerdem Adidas-Schuhe mit Schraubstollen. Diese Geschichte beschreibt der Wikipedia-Artikel über Adolf Dassler ausführlich. Für Familienunternehmen bleibt sie eine Lehre: Ungeklärte Konflikte können ein Unternehmen spalten.
6. Else Kröner: Aus einer Apotheke wird Fresenius
Eduard Fresenius gründete 1912 in Frankfurt am Main ein pharmazeutisches Unternehmen, das aus der Hirsch-Apotheke hervorging. Nach seinem Tod 1946 übernahm die junge Apothekerin Else Fernau, später Kröner, die Leitung. Damals war die Firma klein und vom Krieg gezeichnet.
Kröner setzte auf Infusionslösungen und später auf Dialyse. Dadurch wuchs Fresenius zu einem weltweit tätigen Gesundheitskonzern. Außerdem gründete sie eine gemeinnützige Stiftung, die bis heute größte Aktionärin von Fresenius ist. Die Stiftung fördert vor allem medizinische Forschung. Einzelheiten nennt der Wikipedia-Artikel über Else Kröner.
7. Dieter Schwarz: Der verschwiegene Händler hinter Lidl und Kaufland
Dieter Schwarz übernahm den Lebensmittelgroßhandel seines Vaters in Heilbronn. Im Jahr 1973 eröffnete er in Ludwigshafen die erste Lidl-Filiale. Danach kamen Kaufland und viele Auslandsmärkte hinzu. Heute zählt die Schwarz Gruppe zu den größten Handelskonzernen der Welt. Inzwischen betreibt sie außerdem eigene Cloud- und Recyclingsparten.
Bemerkenswert ist, wie zurückhaltend Schwarz auftritt. Interviews gibt er praktisch nie, öffentliche Fotos sind selten. Dennoch prägt er seine Heimatregion stark. Über seine Stiftung finanziert er etwa den Bildungscampus Heilbronn. Auch hier sichert eine Stiftungsstruktur, dass das Unternehmen nicht zerfällt oder verkauft wird.
8. Götz Werner: Drogeriemarkt mit Haltung
Götz Werner eröffnete 1973 in Karlsruhe den ersten dm-Drogeriemarkt. Er setzte auf dauerhaft niedrige Preise statt ständiger Sonderangebote. Außerdem gab er Filialen und Mitarbeitern viel Verantwortung. Deshalb gilt dm bis heute als Beispiel für eine dezentrale Führungskultur.
Werner mischte sich auch politisch ein. So warb er jahrelang für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Seine Anteile brachte er weitgehend in eine Stiftung ein. Damit wollte er verhindern, dass seine Erben das Unternehmen als reines Vermögen betrachten. Götz Werner starb 2022.
9. Was Unternehmer heute von ihnen lernen können
Alle diese Persönlichkeiten verbindet mehr als nur Erfolg. Erstens lösten sie ein konkretes Problem besser als andere. Zweitens bauten sie ihre Firmen geduldig über Jahrzehnte auf. Drittens kümmerten sich viele früh um die Frage, wer nach ihnen kommt.
Gerade dieser letzte Punkt ist für heutige Mittelständler wichtig. Bosch, Fresenius, die Schwarz Gruppe und dm nutzen Stiftungen, um Unternehmen dauerhaft zu sichern. Der Streit der Dassler-Brüder zeigt hingegen, was ohne klare Regeln passieren kann. Wer seine Nachfolge plant, sollte deshalb Rechtsform, Gesellschaftsvertrag und Familie gemeinsam betrachten. Hilfreiche Ansätze finden Sie im Beitrag zur Unternehmensnachfolge im Mittelstand und auf der Seite Exit und Nachfolge im Unternehmerkompass.
Häufig steht am Anfang einer solchen Struktur eine Holding. Wie das steuerlich funktioniert, erklärt der Beitrag über die Gründung einer Holding-GmbH per qualifiziertem Anteilstausch. Wer sich zudem für die Lebenswege großer Gründer interessiert, findet Lesestoff in den zehn besten Biografien erfolgreicher Unternehmer. Schließlich zeigt der Beitrag zur Erfindung der GmbH, warum gerade diese Rechtsform den deutschen Mittelstand so stark geprägt hat.