US-Midterms 2026: Was die Kongresswahl für deutsche Unternehmen bedeutet

Heute wählen die Vereinigten Staaten. Bei den US-Midterms 2026 entscheiden die Bürger über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus, über 35 der 100 Senatssitze und in 36 Bundesstaaten über die Gouverneure. Rund 250 Millionen Amerikaner sind wahlberechtigt. Der Präsident steht zwar nicht zur Wahl. Trotzdem bestimmt das Ergebnis, wie viel Spielraum er in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit hat.

Für deutsche Unternehmer ist das mehr als eine Nachricht aus Übersee. Denn die USA sind seit 2015 der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte. Wer dort verkauft, einkauft oder investiert, spürt Entscheidungen aus Washington über Zölle, Haushalt und Regulierung direkt. Dieser Beitrag erklärt ohne Parteinahme, worum es geht, was der Kongress tatsächlich entscheidet und worauf Unternehmen jetzt achten sollten.

Inhalt

  1. Was bei den US-Midterms gewählt wird
  2. Die Ausgangslage: knappe Mehrheiten
  3. Was der Kongress entscheiden kann und was nicht
  4. Zölle: Warum die US-Midterms für den Handel zählen
  5. Haushalt, Schulden und Märkte
  6. Was für deutsche Exporteure auf dem Spiel steht
  7. Zeitplan: Wann Ergebnisse feststehen
  8. Was Unternehmer jetzt tun können
  9. Fazit

1. Was bei den US-Midterms gewählt wird

Die Midterms heißen so, weil sie in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten stattfinden. Gewählt wird vor allem der Kongress, also das Parlament der USA. Er besteht aus zwei Kammern mit unterschiedlichen Regeln.

Das Repräsentantenhaus hat 435 Abgeordnete. Sie sitzen jeweils nur zwei Jahre im Amt, deshalb steht die gesamte Kammer zur Wahl. Jeder Wahlkreis schickt den Kandidaten mit den meisten Stimmen nach Washington. Der Senat hat dagegen 100 Mitglieder, zwei je Bundesstaat. Senatoren amtieren sechs Jahre, daher wird nur gut ein Drittel der Sitze neu vergeben.

Außerdem wählen 36 Bundesstaaten ihre Gouverneure, dazu kommen viele regionale Ämter. Nach Angaben des ARD-Berichts zum Wahlauftakt bestimmen vor allem die hohen Lebenshaltungskosten den Wahlkampf, etwa Benzin-, Diesel- und Strompreise. Wirtschaftsthemen stehen also im Mittelpunkt, nicht nur außenpolitische Fragen.

2. Die Ausgangslage: knappe Mehrheiten

Vor der Wahl halten die Republikaner in beiden Kammern eine knappe Mehrheit. Laut ZDFheute stehen im Repräsentantenhaus 218 republikanische 214 demokratischen Abgeordneten gegenüber. Für eine Mehrheit braucht eine Partei 218 Sitze. Im Senat stellen die Republikaner 53 und die Demokraten 47 Senatoren. Von den 35 Senatssitzen, die heute zur Wahl stehen, haben die Republikaner bisher 22 inne.

Umfragen und Prognoseinstitute sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus vorn. Im Senat gilt das Rennen dagegen als offener, weil viele der umkämpften Sitze in Staaten mit traditionell republikanischer Mehrheit liegen. Allerdings sind Umfragen keine Ergebnisse. Gerade bei knappen Rennen in einzelnen Wahlkreisen können wenige tausend Stimmen den Ausschlag geben.

Grundsätzlich sind drei Ausgänge denkbar. Erstens behalten die Republikaner beide Kammern. Zweitens wechselt nur eine Kammer die Mehrheit, das wäre ein geteilter Kongress. Drittens gewinnen die Demokraten beide Kammern. Für Unternehmen ist weniger wichtig, wer gewinnt, als wie sich die Machtverteilung auf Gesetze, Haushalt und Handel auswirkt.

3. Was der Kongress entscheiden kann und was nicht

Die US-Verfassung gibt dem Kongress zentrale Befugnisse. Nach Artikel I darf nur er Steuern und Zölle erheben und den Handel mit dem Ausland regeln. Zudem darf ohne gesetzliche Bewilligung kein Geld aus der Staatskasse fließen. Der Kongress hat also die Hoheit über den Haushalt.

Der Senat hat darüber hinaus eigene Rechte. Er bestätigt Minister, Botschafter und Bundesrichter. Außerdem muss er internationalen Verträgen mit Zweidrittelmehrheit zustimmen. Wer den Senat kontrolliert, kann also Personalentscheidungen des Präsidenten beschleunigen oder bremsen.

Gleichzeitig hat der Präsident eine starke Stellung. Er kann Gesetze mit seinem Veto stoppen. Der Kongress überstimmt ein Veto nur mit Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern. Solche Mehrheiten sind selten. Zudem lenkt der Präsident die Außenpolitik und die Verwaltung, die viele Gesetze auslegt und anwendet.

Folglich ändert ein Mehrheitswechsel selten alles auf einmal. Er verschiebt vor allem die Verhandlungsmacht. Neue große Gesetzesvorhaben werden schwieriger, während Kontrolle, Anhörungen und Haushaltsverhandlungen an Gewicht gewinnen.

4. Zölle: Warum die US-Midterms für den Handel zählen

Beim Thema Zölle zeigt sich, wie eng Recht und Politik verbunden sind. Am 20. Februar 2026 hat der Supreme Court entschieden, dass das Notstandsgesetz IEEPA dem Präsidenten keine Befugnis gibt, Zölle zu erheben. Die Richter verwiesen ausdrücklich auf die Verfassung: Das Recht, Zölle festzulegen, liegt beim Kongress. Damit fielen die sogenannten reziproken Zölle weg, die seit April 2025 gegolten hatten.

Das Urteil beendete die Zölle allerdings nicht. Wie die Wirtschaftskammer Österreich zusammenfasst, blieben sektorale Zölle nach Section 232 bestehen, etwa auf Stahl, Aluminium und Autos. Als Übergang galt ab 24. Februar 2026 ein weltweiter Aufschlag von 10 Prozent. Diese Regel war laut Germany Trade & Invest auf 150 Tage begrenzt; eine Verlängerung hätte der Kongress beschließen müssen.

Seit dem 24. Juli 2026 gelten stattdessen neue Zölle nach Section 301 des Trade Act. Für die meisten Waren aus der EU ergibt sich laut GTAI eine Gesamtbelastung von 10 Prozent einschließlich des regulären Zolls. Diese Zölle beruhen auf einem Gesetz des Kongresses, das der Regierung Spielräume einräumt.

Genau hier liegt die Bedeutung der Wahl. Ein Kongress kann solche Ermächtigungen enger fassen, erweitern oder unverändert lassen. Wegen des Vetorechts sind schnelle Änderungen jedoch unwahrscheinlich. Wer Zölle kalkuliert, sollte deshalb eher mit Kontinuität und gelegentlichen Überraschungen rechnen als mit einem abrupten Kurswechsel.

5. Haushalt, Schulden und Märkte

Der zweite große Hebel ist das Geld. Jeder Bundeshaushalt muss beide Kammern passieren. Haben Präsident und Kongressmehrheit unterschiedliche Prioritäten, werden die Verhandlungen härter. Im Extremfall läuft die Finanzierung von Bundesbehörden aus, man spricht dann von einem Shutdown. Für Unternehmen bedeutet das meist Verzögerungen bei Genehmigungen, Statistiken oder öffentlichen Aufträgen.

Die Ausgangslage der US-Wirtschaft ist gemischt. Nach dem Überblick der ARD-Finanzredaktion wuchs die Wirtschaft im dritten Quartal 2026 auf das Jahr hochgerechnet um 3,4 Prozent. Die Verbraucherpreise lagen im September jedoch 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Zudem entstanden im September außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 Prozent. Als wichtige Stütze gelten Investitionen in künstliche Intelligenz, Halbleiter, Rechenzentren und Energie.

Nach meiner Einschätzung bewegen Zinsen, Inflation und Unternehmensgewinne die Märkte stärker als eine Zwischenwahl. Trotzdem kann ein knappes oder lange offenes Ergebnis kurzfristig für Unruhe sorgen, etwa beim Dollarkurs. Für Exporteure, die in Dollar fakturieren, ist das ein praktisches Thema.

6. Was für deutsche Exporteure auf dem Spiel steht

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wie wichtig der US-Markt bleibt. Nach der Destatis-Pressemitteilung vom 20. Februar 2026 exportierte Deutschland 2025 Waren für 146,2 Milliarden Euro in die USA. Das waren 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Trotzdem blieben die Vereinigten Staaten das wichtigste Empfängerland deutscher Exporte.

Besonders betroffen sind große Industriezweige. Kraftwagen und Kraftwagenteile kamen auf 28,5 Milliarden Euro, ein Minus von 17,8 Prozent. Pharmazeutische Erzeugnisse folgten knapp dahinter mit 28,0 Milliarden Euro. Der deutsche Exportüberschuss gegenüber den USA sank von 69,6 auf 51,9 Milliarden Euro. Beim gesamten Handelsvolumen lag China 2025 wieder vor den USA.

Viele Mittelständler sind zudem indirekt betroffen. Sie liefern Teile an Autohersteller, Maschinenbauer oder Pharmaunternehmen, die in die USA exportieren. Fallen dort Aufträge weg, spüren das auch Zulieferer, die selbst nie über den Atlantik verkaufen. Wie sich Handelspolitik und Machtpolitik weltweit verschieben, beschreibt der Beitrag Die neue Weltordnung: Handel oder Eroberung?. Eine Einordnung der US-Handelspolitik aus Unternehmersicht bietet außerdem der Beitrag Ausblick zur Reform des globalen Handels auf blogmbh.de.

7. Zeitplan: Wann Ergebnisse feststehen

Die ersten Wahllokale schließen nach Angaben von ZDFheute um Mitternacht deutscher Zeit. Ein aussagekräftiges Gesamtbild erwarten Beobachter zwischen 5 und 7 Uhr am Mittwochmorgen. Bei knappen Rennen kann es jedoch Tage dauern, bis alle Stimmen gezählt sind. Denn die Bundesstaaten prüfen Briefwahlstimmen nach unterschiedlichen Verfahren.

Wichtig ist außerdem ein Datum, das oft untergeht. Nach dem 20. Zusatzartikel der Verfassung beginnt die Amtszeit des neuen Kongresses am 3. Januar. Bis dahin arbeitet der bisherige Kongress weiter. Diese Übergangszeit nennen Amerikaner Lame-Duck-Phase. Gerade dann einigen sich die Fraktionen manchmal noch auf Haushalts- oder Handelsfragen, bevor die neuen Mehrheiten gelten.

8. Was Unternehmer jetzt tun können

Niemand kann das Ergebnis vorhersagen, und Spekulation hilft wenig. Sinnvoller ist es, das eigene Geschäft gegen verschiedene Ausgänge robust aufzustellen. Dafür eignen sich einfache Szenarien, wie sie die strategische Planung ohnehin vorsieht.

  • US-Anteil am Umsatz und an den Lieferketten beziffern, auch indirekt über Kunden.
  • Zollklauseln in Lieferverträgen prüfen: Wer trägt neue Zölle, und ab wann gelten geänderte Preise?
  • Ursprung und Zolltarifnummer der eigenen Produkte kennen, denn davon hängen Ausnahmen ab.
  • Währungsrisiken bei Geschäften in Dollar bewusst steuern und mit der Hausbank besprechen.
  • Verlässliche Quellen wie GTAI und die Außenhandelskammern regelmäßig verfolgen.

Solche Schritte gehören zu einem ordentlichen Risikomanagement. Sie lohnen sich unabhängig davon, welche Partei heute gewinnt. Denn politische Risiken lassen sich nicht vermeiden, wohl aber vorbereiten.

9. Fazit

Die US-Midterms entscheiden nicht über den Präsidenten, wohl aber über seinen Handlungsspielraum. Der Kongress hält nach der Verfassung die Rechte über Zölle und Haushalt, der Senat zusätzlich über wichtige Personalien. Allerdings begrenzen Veto und knappe Mehrheiten jede schnelle Kursänderung.

Für deutsche Unternehmen bleibt die Lage deshalb vor allem eines: planbar unsicher. Die USA sind der größte Exportmarkt, die Zollregeln haben sich 2026 bereits mehrfach geändert, und die nächste Weichenstellung folgt im Januar. Wer seine Abhängigkeiten kennt und Verträge darauf ausrichtet, kann gelassener auf die Ergebnisse blicken. Weitere Analysen finden Sie im Themenbereich Geopolitik.

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Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 3. November 2026 vor Schließung der Wahllokale wieder. Ergebnisse lagen bei Veröffentlichung noch nicht vor. Zollsätze und Ausnahmen ändern sich häufig und sind im Einzelfall anhand der aktuellen Quellen zu prüfen.

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