Der Petrodollar ist die Grundlage des Petrodollar-Systems, das seit den 1970er-Jahren die internationale Wirtschafts- und Finanzordnung prägt. Gemeint ist die Bindung des globalen Ölhandels an den US-Dollar, die den weltweiten Geldfluss spürbar verändert und die Stellung des US-Dollars als Reservewährung im Welthandel gefestigt hat. Daraus entstanden wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten, die bis heute nachwirken. Ein globales Netzwerk aus Regeln, Marktmechanismen und Anreizen steht hinter dem US-Dollar, das Energie, Währung und Handelsordnung miteinander verbindet. Dieser Artikel soll die wesentlichen Zusammenhänge erklären, ohne den Überblick durch zu viele technische Details zu verlieren.
Öl
Die 1970er: Vom Goldstandard zu Petrodollar und Globalisierung
Die Entscheidungen und Ereignisse der 1970er-Jahre führten zu einer ersten grundlegenden Reform der Nachkriegsordnung, auf die sich die USA und ihre westlichen Verbündeten nach dem Zweiten Weltkrieg 1944 in Bretton Woods verständigt hatten. Das Fundament dieser Ordnung waren stabile Währungen und eine gemeinsame Koordination durch internationale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. Drei Jahrzehnte später geriet dieses Gefüge aus dem Gleichgewicht. Auslöser waren u.a. die hohen Staatsausgaben der USA, die wachsenden Defizite in der Zahlungsbilanz und ein Vertrauensverlust in den US-Dollar.
Die Regierung unter Präsident Nixon reagierte mit einem fundamentalen Kurswechsel in zentralen Fragen: Geld, Handel und Energie. Gleichzeitig öffnete sie den chinesischen Markt für westliche Unternehmen – der Startschuss für die Globalisierung, die bis heute Handel, Produktion und kulturellen Austausch prägt. An der innenpolitischen Front erschüttterte der Watergate-Skandal das Vertrauen in den Präsidenten und schwächte dauerhaft die Autorität des Amtes. Das entstandene Machtvakuum füllten nichtgewählte Technokraten in Behörden, Zentralbanken und internationalen Organisationen. Die 1970er Jahre sind daher nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch zentral für das Verständnis aktueller Herausforderungen wie wirtschaftliche Ungleichheit, Ressourcenkonflikte und die Dynamiken einer globalisierten Welt.
Die Entwicklungen der 1970er-Jahre dürfen jedoch nicht als zufällige, zusammenhanglose Ereignisse verstanden werden. Vielmehr waren sie das Ergebnis strategischer Entscheidungen, die in den politischen und wirtschaftlichen Führungszentren in Washington, London, Paris und Bonn getroffen wurden – manche offen, andere in diskreten oder geheimen Gremien, nicht immer demokratisch legitimiert, aber folgenreich und dauerhaft wirksam.
Öl, Sicherheit und Macht: Allianz zwischen USA und Saudi-Arabien
Öl, Sicherheit und Macht bilden das Fundament der Allianz zwischen Saudi-Arabien und den USA, die in den 1930er-Jahren begann. Historisch gesehen ist Saudi-Arabien neben Israel einer der wichtigsten strategischen Partner der USA im Nahen Osten, vor allem wegen seiner enormen Ölreserven. Der Grundstein für die umfassende Partnerschaft in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen wurde 1945 mit dem Treffen zwischen US-Präsident Franklin D. Roosevelt und König Abdulaziz Ibn Saud an Bord der USS Quincy im Suezkanal gelegt.
Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien gehören zu den bedeutendsten und beständigsten bilateralen Verbindungen der USA im Nahen Osten. Allerdings sind sie auch komplex und wurden im Laufe der Geschichte mehrfach auf die Probe gestellt, insbesondere während der arabisch-israelischen Konflikte und des Irakkriegs. Die Beteiligung saudischer Staatsbürger an den Terroranschlägen vom 11. September 2001, der zweite Irakkrieg, die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 sowie Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit dem Iran haben wiederholt zu einer Neubewertung der Allianz geführt.
Zunehmende wirtschaftliche Kooperationen zwischen Saudi-Arabien und China und Chinas wachsender politischer Einfluss im Nahen Osten stellen die strategische Allianz mit den USA vor neue Herausforderungen.
Die Zerschlagung von Standard Oil
Die Zerschlagung von Standard Oil durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 15. Mai 1911 war ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Ölunternehmen und ein bedeutender Sieg der Regierung gegen eins der mächtigsten Unternehmen in der Geschichte.
Unter der Führung von John D. Rockefeller hatte sich Standard Oil zu einem Symbol für industrielle Macht und monopolistische Geschäftspraktiken entwickelt, das Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu 90 % der amerikanischen Ölraffinerien und Pipelines kontrollierte. Der Aufstieg zu diesem einzigartigen Branchenriesen war geprägt von aggressiven Firmenübernahmen, rigiden Preisstrategien und exklusiven Geheimverträgen, die es dem Unternehmen ermöglichten, seine Konkurrenten mit unlauteren Mitteln zu verdrängen und den Markt monopolartig zu beherrschen.
Mit dem Sherman Antitrust Act aus dem Jahre 1890 gab es bereits einen rechtlichen Rahmen, um monopolistische Unternehmensstrukturen in den USA zu bekämpfen, aber es dauerte mehr als zwei Jahrzehnte, bis der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten 1911 entschied, dass Standard Oil gegen den Sherman Antitrust Act verstoßen habe und die Zerschlagung des Unternehmens in 34 unabhängige Firmen anordnete. Das Urteil hatte weitreichende Konsequenzen für die amerikanische Wirtschaft und das zukünftige Wettbewerbsrecht. Es symbolisierte nicht nur den Sieg über ein übermächtiges Monopol, sondern auch die Entschlossenheit der Regierung, einen fairen Wettbewerb zu fördern.
Das Sanremo-Ölabkommen vom 24. April 1920 und seine Folgen
Im Rahmen der Sanremo-Konferenz nach dem Ersten Weltkrieg unterzeichneten Regierungsvertreter von Großbritannien und Frankreich im April 1920 das Sanremo-Ölabkommen. Während die Konferenz insgesamt darauf abzielte, die territoriale Neuordnung und politische Verwaltung der ehemaligen Gebiete des Osmanischen Reichs nach dem Ende des Krieges festzulegen, konzentrierte sich das Sanremo-Ölabkommen speziell auf die Aufteilung und Kontrolle der wertvollen Ölvorkommen in der Region.
Mit dem Sanremo-Ölabkommen sicherte sich Großbritannien eine dominierende Position in Mesopotamien (heutiger Irak) und erhielt damit die Kontrolle über einen bedeutenden Teil der weltweiten Ölreserven. Diese Entwicklung führte zu langwierigen Auseinandersetzungen mit den USA, deren Ölunternehmen ebenfalls großes Interesse an diesen Ressourcen hatten. Fortan drängten sowohl der US-Außenminister Bainbridge Colby (unter Präsident Woodrow Wilson) als auch später Charles Evans Hughes (unter Präsident Warren G. Harding) energisch darauf, dass auch amerikanische Ölgesellschaften an der Erschließung der Ölvorkommen beteiligt werden.
Einflussreiche Persönlichkeiten und Unternehmer wie John D. Rockefeller (Standard Oil) und Harry F. Sinclair (Sinclair Oil) forderten aktiv Zugang zu den reichen Ölvorkommen, was ihnen von Großbritannien verwehrt wurde. Die Forderungen der US-Regierung und der amerikanischen Ölunternehmen unterstrichen die wachsende strategische Bedeutung von Öl und markierten den Beginn eines internationalen Wettbewerbs um die Kontrolle über die Energieversorgung des 20. Jahrhunderts. Dieses Ringen um Einfluss und Ressourcen prägte die geopolitische Landschaft nicht nur unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, sondern weit darüber hinaus.
Vorgeschichte zur Gründung der Turkish Petroleum Company
Die Vorgeschichte zur Gründung der Turkish Petroleum Company (TPC) beginnt im frühen 20. Jahrhundert und markiert die Endphase des Osmanischen Reichs. Sie ist geprägt von bedeutenden historischen Ereignissen und langjährigen Verhandlungen zwischen den Großmächten des Deutschen Kaiserreichs unter Kaiser Wilhelm II. und Großbritannien, die um den Zugang zu den reichen Ölvorkommen im heutigen Irak konkurrierten.
Der Ausgangspunkt dieser spannenden Geschichte ist die Erteilung einer Konzession an die Deutsche Bank als Teil eines ehrgeizigen Projekts zur Finanzierung und zum Bau einer Bahnstrecke von Istanbul (damals noch Konstantinopel) nach Bagdad, der heutigen Hauptstadt des Iraks. Diese Bahnverbindung, bekannt als Bagdadbahn, sollte nicht nur den Transport von Gütern und Menschen erleichtern, sondern auch den strategischen Zugang zu den wertvollen Rohstoffvorkommen der Region sichern.
Ein Bericht des britischen Geschäftsmanns C. Gulbenkian über vielversprechende Ölvorkommen im heutigen Irak (damals Mesopotamien und Teil des Osmanischen Reichs) intensivierte auch das Interesse Großbritanniens an der Region. Trotz intensiver Verhandlungen mit dem Sultan konnte jedoch weder Kaiser Wilhelm II. noch Großbritannien eine umfassende Ölkonzession erringen. Letztendlich war es die Jungtürkische Revolution, die den entscheidenden Durchbruch brachte und zur Gründung der National Bank of Turkey und der Turkish Petroleum Company führte, die dann eine zentrale Rolle in der Entwicklung der globalen Ölindustrie spielte.
Die Geschichte der Anglo-Persian Oil Company
Die Geschichte der Anglo-Persian Oil Company (APOC), heute bekannt als British Petroleum oder BP, begann im April 1909. Das Unternehmen spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Ölindustrie im heutigen Iran und versorgte bereits kurz nach seiner Gründung die Royal Navy des Vereinigten Königreichs mit Öl. Die Entstehung der APOC zu Beginn des 20. Jahrhunderts kennzeichnet nicht nur die Anfänge der Ölförderung im Mittleren Osten, sondern auch die tiefgreifenden Wechselwirkungen zwischen der Geopolitik und der Ölindustrie vor und nach den beiden Weltkriegen. Dieser Artikel gibt einen wichtigen Überblick über die Ursprünge des Unternehmen, beleuchtet die frühen Herausforderungen und Schlüsselmomente, die schließlich zur Transformation in eines der größten Energieunternehmen der Welt führten.
Das große Spiel ums Öl in Persien und der Beginn der Ölförderung
Das Öl in Persien erlangte schon im frühen 20. Jahrhundert strategische Bedeutung, nachdem William Knox D’Arcy und die britische Burmah Oil Company im Mai 1908 nach langjährigen und kostenintensiven Erkundungen das erste große Ölfeld in Masjed Soleyman im heutigen Iran erschließen konnte. Dies war ein wichtiger Durchbruch für die britische Regierung, welche die strategische Bedeutung eigener Ölreserven frühzeitig erkannt hatte. Es folgte die Gründung der Anglo-Persian Oil Company (APOC) im April 1909, deren Leitung dem britischen Unternehmer William Knox D`Arcy übertragen wurde.
Alphonse Rothschild investiert ins Ölbusiness am Kaspischen Meer
Die Gründung der Caspian and Black Sea Oil Company (BNITO) im Jahre 1883 markierte den Einstieg der französischen Bankiersfamilie Rothschild in die Ölindustrie am Kaspischen Meer. Während die Ölförderung am Kaspischen Meer bis dahin vor allem für den heimischen Markt bestimmt war, begann mit dem Einstieg des französischen Bankhauses Rothschild eine neue Ära, in der der Export von Öl in den Vordergrund rückte und neben Standard Oil weitere Global Player mitspielten.
Die Nobel-Brüder und ihr Einstieg ins Ölgeschäft
Der Einstieg der Nobel-Brüder in das große Spiel ums Öl in den 1870-Jahren erfolgte im Zuge einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung Russlands für ausländische Investoren durch Zar Alexander II.
Im Zentrum der ambitionierten Strategie des russischen Zaren zur industriellen Modernisierung seines Landes standen die reichen Ölvorkommen im Kaukasus, insbesondere rund um Baku am Kaspischen Meer. Deren Potenzial bot dem Zaren eine einmalige Gelegenheit, Russland auf die Bühne der größten Öllieferanten zu bringen.
Die Freigabe dieser Ölvorkommen für Investoren lockte zahlreiche Akteure an, darunter auch die Nobel-Brüder, die sich als erfolgreiche Unternehmer erwiesen und eine wichtige Rolle bei der Erschließung und beim Export dieser Ressourcen spielten. Mit Innovationen und unternehmerischem Geschick trugen Ludvig, Alfred und Robert Nobel maßgeblich zur Entwicklung innovativer Methoden beim Bohren, Transport und in der Raffination von Erdöl bei.